Ein Plädoyer gegen den linken Zeitgeist
(Die Presse)
Der Schuldirektor Dieter Grillmayer beleuchtet in seinem neuen Buch die „Bildungsbaustelle“. Eine Rezension.
Der laute Applaus aller Kritiker der linken Zeitgeistpädagogik ist Autor Dieter Grillmayer wohl schon nach der Lektüre des Klappentextes seines neuen Buches sicher: „Die heutige Erziehungskrise ist ein Beispiel von vielen, an denen belegt werden kann, dass in der Menschheitsgeschichte jede Übertreibung von der gegenteiligen abgelöst wird, dass in diesem dauerhaften Auf und Ab der Zeitgeist der Zeit und ihren Erfordernissen zumeist weit hinterherhinkt, dass also derjenige besser für die Zukunft sorgt, der sich antizyklisch verhält, als derjenige, der immer „in“ sein will“, formuliert Grillmayer dort etwas langatmig. Und gibt damit eindeutig die Stoßrichtung vor.
Wer nun einen undifferenziert polemischen Abgesang auf das Schulsystem und die rot-schwarze Bildungspolitik erwartet, wird positiv überrascht. Grillmayer, ehemaliger Direktor des BRG Steyr und als freiheitlicher Lehrervertreter für viele wohl per se ideologisch verdächtig, schafft einen kritischen, aber fachlich fundierten und faktenbezogenen Rückblick auf die Bildungsdebatte der vergangenen 50 Jahre. („Fünfzig Jahre Bildungsbaustelle“ heißt denn auch der Untertitel des Buches.)
In zwölf Kapiteln, in denen der Autor Klassiker wie Rousseau, Weber und Kant bemüht, widmet er sich altbekannten, aber durchwegs brennenden Themen. Die Bandbreite reicht von der Leistungsbeurteilung über die Koedukation bis zur Modernisierung des Mathematikunterrichts. Grillmayer outet sich dabei als Insider und zeichnet – neben inhaltlicher Überlegungen – oft auch die Entwicklung der Debatten in den vergangenen Jahren nach. Vieles davon ist bekannt. Für Interessierte bietet das Buch dennoch spannende Einblicke und Anregungen zur weiteren Diskussion.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)










