Fehlende Motivation nicht Grund für schlechte PISA-Ergebnisse
08.12.2010 | 10:29 | (DiePresse.com)
Eine deutsche Studie entkräftet den OECD-Vorbehalt. Weder die Motivation noch die Testleistung der Schüler können durch äußere Faktoren beeinflusst werden. Auch eine absichtliche Verfälschung kann ausgeschlossen werden.
Das deutsche Max-Planck-Institut entkräftet die Befürchtungen der OECD, die österreichischen PISA-Ergebnisse seien aufgrund "schlechter Stimmgung" während der Testphase verfälscht. Bei prominenten Tests wie PISA können Motivation und Testleistung der Schüler kaum durch äußere Einflüsse beeinflusst werden, so das Resultat der Studie.
Die OECD hatte schon vor der offiziellen Veröffentlichung der PISA-Testergebnisse angekündigt, nur "mit Vorbehalt" über die österreichischen Ergebnisse zu berichten. Grund dafür war der Boykottaufruf der Bundesschülervertretung während der Testung im April 2009 und die daraus resultierende "negative" Stimmung. Der Verdacht: Die Schülerleistungen könnten durch die schlechte Stimmung wesentlich beeinflusst werden.
Werden sie nicht, sagen nun die Experten vom Max-Planck-Institut. Infolge der Diskussion um die 2001 präsentierte erste PISA-Studie untersuchten die Wissenschafter, ob die oftmals geäußerte Einschätzung stimmt, dass sich Schüler nicht anstrengen, wenn es für sie aufgrund der Anonymität der Ergebnisse "um nichts geht".
Dafür ließen die Wissenschafter Schüler im PISA-Alter in vier Gruppen Mathematik-Tests im PISA-Format durchführen. Die erste Gruppe arbeitete unter "PISA-Bedingungen", den Schülern wurde mitgeteilt, dass es sich bei dem Test um eine wichtige internationale Untersuchung handle. Einer zweiten Gruppe wurde gesagt, dass der Lehrer Feedback zu den jeweiligen Ergbenissen geben wird. Einer weiteren Gruppe wurder erklärt, dass die Tests benotet werden und der vierten Gruppe wurde eine finanzielle Belohnung für überdurchschnittliche Leistungen versprochen.
Überraschenderweise hatten die unterschiedlichen Voraussetzungen weder Einfluss auf die Leistung noch auf den Grad der Anstrengung der Schüler. Resümee der Wissenschafter: Der gesellschaftliche Wert, an einer wichtigen internationalen Untersuchung teilzunehmen, ist mit dem persönliche Wert für Schüler, Feedback vom Lehrer oder Belohnung für die eigene Leistung zu bekommen, gleichzusetzten.
Ergebnisse sehr schwer zu verfälschen
Auch eine absichtliche Verfälschung des Ergebnisses kann ausgeschlossen werden, meint Bildungspsychologin Christiane Spiel. Die Ergebnisse seien schwer zu verfälschen, ohne dass dies den Testern auffällt. Damit absichtlich gegebene falsche Antworten nicht auffallen, hätten Schüler nämlich den systematischen Aufbau des Tests durchschauen müssen. Wenn Boykott-Teilnehmer etwa bei PISA schwierigere Fragen richtig beantworten, leichtere aus der selben Kategorie aber nicht, falle das auf.
(APA/dpa)

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