Donnerstag, 23. Mai 2013 03:22
Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren
Artikel versendenTwitterLesezeichen bei Facebook setzen

Mehr zum Thema:

PISA-Absturz: Fronten um Schulreformen in der Koalition verhärtet

08.12.2010 | 18:43 |   (Die Presse)

Die SPÖ setzt ganz auf die Gesamtschule, die ÖVP will in Volksschulen verpflichtenden Sprachförderunterricht. Statt eines Schulterschlusses steuern die Koalitionsparteien noch mehr auf Konfrontationskurs.

Wien/Ett/Apa. „Der Schulterschluss wurde mit der Unterzeichnung des Regierungsprogramms vorgenommen.“ Unterrichtsministerin Claudia Schmied habe von rund 40 Vorhaben aber nur wenige erledigt. Mit Verärgerung reagierte man in der ÖVP-Zentrale am Mittwoch im Gespräch mit der „Presse“ auf den Wunsch der SPÖ-Ressortchefin, nach dem dramatischen Rückfall von Österreichs Schülern im PISA-Test solle es jetzt einen „Schulterschluss“ für Reformen geben. Für einen Schulterschluss stehe die ÖVP zwar zur Verfügung, die von Schmied angestrebte Aufhebung der Zehn-Prozent-Grenze für die „Neue Mittelschule“ ist für die Volkspartei derzeit aber ebenso „kein Thema“ wie die Umstellung auf die Gesamtschule, also eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen.

Statt einem Schulterschluss in der Schulpolitik steuern die Koalitionsparteien nach dem PISA-Flop noch mehr auf Konfrontationskurs. Schmied kündigt im Interview mit der Online-Ausgabe der „Presse“ an, sie wolle mit dem steigenden „öffentlichen Druck“ die ÖVP vom Wegfall der Zehn-Prozent-Grenze für die „Neue Mittelschule“ überzeugen. In diesem Schultyp werde bei den bei PISA abgefragten Kompetenzen angesetzt. In Deutsch, Mathematik und Englisch arbeite man dort mit zwei Lehrern pro Klasse. Damit will sie auch den Chancenausgleich für „Arbeiterkinder“ erhöhen. Die PISA-Ergebnisse sieht sie als Beleg, dass „Herkunft mehr zählt als Talent“.

 

Karl für Förderunterricht am Nachmittag

Koalitionskoordinator Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) rechnet damit, dass sich die Koalition 2011 auf eine Bildungsreform, wie von Bundeskanzler Werner Faymann angekündigt, einigen kann. Der ÖVP will man klarmachen, dass die Gesamtschule der 10- bis 14jährigen „der richtige Weg ist“.

Für ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger ist eine Debatte über die Gesamtschule „vollkommen daneben“. Die ÖVP, die spätestens Anfang 2011 ein eigenes Bildungskonzept vorlegen wird, drängt in erster Linie auf Verbesserungen in der Volksschule und im Kindergarten. „Das ist bei PISA das Thema: Lesen, Schreiben und Rechnen.“

Gerade weil Österreich beim PISA-Test im Lesen so schlecht abgeschnitten habe, sei die wichtigste Fähigkeit, Deutsch zu können. Ein „Kernelement“ müsse eine eigene Sprachschule in der Volksschule auch in Form eines verpflichtenden Förderunterrichts in Deutsch sein.

Für Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP), die federführend am ÖVP-Bildungskonzept arbeitet, liegt das Hauptproblem in den Volksschulen. Sie schlägt einen verpflichtenden Förderunterricht am Nachmittag für Schüler mit Schwächen vor.

 

„Verantwortung auch bei den Eltern“

Elternvertreter betonen auch die Eigenverantwortung. Der Vorsitzende des Dachverbandes der Elternvereine an Pflichtschulen, Gerald Netzl, meinte, Eltern sollten Kinder mehr Bücher anbieten und sie dadurch zum Lesen bewegen. Der oberste Elternvertreter an mittleren und höheren Schulen, Theodor Saverschel, betonte: „Man kann die Eltern nicht aus der Pflicht nehmen.“ Allerdings seien viele Alleinerzieher, oder es seien beide Elternteile berufstätig, weshalb keine Zeit für zusätzliche Hilfe bleibe.

Die Elternvertreter drängen daher auf einen weiteren Ausbau der Ganztagsschulen. Angesichts fehlender Reformen warnen sie die Regierung: „Wie viele Hiobsbotschaften sind denn noch notwendig, damit die Regierung ihr verantwortungsloses Stillhalten beendet?“

Die Grünen werden im Rahmen der Budgetberatungen beantragen, dass 1000 zusätzliche Lehrer eingestellt werden. SPÖ und ÖVP würden sich selbst jetzt – nach den katastrophalen PISA-Ergebnissen – in ihren „ideologischen Schützengräben vergraben“, beklagt Grünen-Chefin Eva Glawischnig.

Auch außerhalb des Parlaments steigt der Druck auf die Regierung. Der Industrielle und Ex-Vizekanzler Hannes Androsch will in der ersten Jännerhälfte das von ihm angekündigte „Bildungsvolksbegehren“ vorbereiten. BZÖ-Chef Josef Bucher möchte eine „Allianz für Bildung“ quer über Parteigrenzen schmieden, kann sich aber auch eine Zusammenarbeit mit Androsch vorstellen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.12.2010)

Mehr zum Thema:

4 Kommentare
Das Wort
09.12.2010 05:36
0 0

Wieder zeigt sich der Schaden den Grokonelle anrichten.

Die Schweitz hat solche Probleme schon vor Jahren gelöst.

Wir werden nicht regiert, sondern ausgebeutet. Grokonelle sind nicht unfähig sonder Grokonell.
Anubis
09.12.2010 11:00
0 0

Re: Wieder zeigt sich der Schaden den Grokonelle anrichten.

Ja ja die "Schweitz" und die glorreichen Reformen von Blauschwarzorange...
wolflamm
09.12.2010 03:13
0 0

Aus

Kommende Woche ist PISA ausgelutscht, und das ist gut so,
Man sollte diesen Test nicht wirklich ernst nehmen,...
Zahlreiche seriöse Bildungsforscher haben sich von diesem Test bereits verabschiedet,..
Frau Schmied versucht ihn nochmals für ihre irre "NMS" zu instrumentalisieren; die ÖVP soll ihr diese Umfirmierung der Hauptschule gegen konsequente Beibehakltung des Gymnasiums behutsam genehmigen
Die NMS wird, wenn sie genauso viel Geld wie die Hauptschule erhält , dassselbe leisten; aber eine Dame aus der Wirtschaft versteht es schon eine neue Verpackung mit demselben Inhalt bestmöglich zu verkaufen,.. das hat man ja gelernt, mit/ohne Lesekompetenz
kalathos
08.12.2010 23:20
0 0

Die Selbstfesselung der Politiker in der Schulfrage muss ein Ende haben

Seit Jahren doktern die Politiker nun schon am österreichischen Schulwesen mit dem Ergebnis herum, dass es zu einem der teuersten in der ganzen Welt geworden ist. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler verschlechterten sich jedoch bei den Pisa-Tests von einem zum anderen Mal und haben jetzt einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht, der nicht mehr viel weiter sinken kann, weil wir bei der Lesefähigkeit und dem Verständnis des Gelesenen bereits auf das Niveau eines Entwicklungslandes abgesunken sind.
Da es keines Beweises mehr bedarf, dass sich die Politiker in all den Jahren als unfähig erwiesen haben, ein halbwegs brauchbares, den Erfordernissen der Gegenwart entsprechendes Schulwesen auf die Beine zu stellen, sollten die Bürger es selbst in die Hand nehmen, um dieses Ziel zu erreichen.
In einer für die Politiker verbindlichen Volksabstimmung sehe ich die einzige Möglichkeit, die ideologische Verbohrtheit und die damit einhergehende Selbstfesselung der Politiker in dieser Frage aufzubrechen und den unseligen Einfluss der Lehrergewerkschaft und der Personalvertretung der Lehrer, die immer mehr zu Totengräbern der Pflichtschulen werden, auf ein erträgliches Maß zurückzudrängen. Sonst ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, wenn die Entwicklung so anhält, dass aus den Österreichern ein Volk von Analphabeten wird, das dann auch beliebig manipulierbar wird.