Lehrermangel: "2013 wird sicher das Krisenjahr"
01.03.2011 | 10:22 | (DiePresse.com)
Im Jahr 2013 befürchtet die Gewerkschaft wegen Auslaufens der Hacklerregelung nochmals eine massive Pensionswelle. Für PH-Rektorin Hackl ist der "Schweinebauchzyklus" schuld.
Die derzeitigen Personalengpässe an Schulen aufgrund des beginnenden Lehrermangels sind nichts im Vergleich zu dem, was noch kommen wird. "2013 wird sicher das Krisenjahr", sagt der Vorsitzende der BMHS-Gewerkschaft, Jürgen Rainer. Dann laufe die Hacklerregelung aus, "und alle bis zum Geburtsjahr 1953 werden sie in Anspruch nehmen."
Durch die Schulgründungen in den frühen 1980ern sei ein Lehrerstamm entstanden, der "gemeinsam alt geworden ist und nun gemeinsam in den Ruhestand gehen wird". Ganz extrem werde die Situation an manchen BHS. Jene in der Steiermark seien etwa allesamt zwischen 1970 und 1975 gegründet worden, wodurch es damals einen riesigen Bedarf an Lehrern gegeben habe. "Heute sind sie alle knapp 60 Jahre alt, da geht geschlossen die Hälfte aller Lehrkräfte in Pension", warnt Rainer.
PH-Rektorin: "Schweinebauchzyklus schuld"
Für die Rektorin der Pädagogischen Hochschule (PH) Wien, Dagmar Hackl, sind allerdings nicht Planungsfehler des Ministeriums schuld am drohenden Lehrermangel, sondern der sogenannte "Schweinebauchzyklus". Wie beim Schweinefleisch-Markt gebe es in bestimmten Arbeitsmärkten Wellenbewegungen. "Wenn wir jetzt gezielt viele Lehrer aufnehmen, werden in 40 Jahren wieder viele in Pension gehen." Darauf vorab zu reagieren, sei schwer: "Es ist ja kein einfaches Rechenbeispiel, weil immer Menschen dahinter stehen."
Denn selbst wenn schon vorausblickend für den Lehrberuf Werbung gemacht und Lehrer auf Warteliste "produziert" würden, könne man nur auf einen Teil zurückgreifen. Manche würden ein Studium oder eine andere Ausbildung beginnen, auch der Arbeitsmarkt sauge viele auf. Die Folge: Die Folge: Will man zu einem bestimmten Zeitpunkt Lehrer von der Warteliste in die Schulen holen, ist nur noch ein Drittel von ihnen auch bereit zu unterrichten.
NMS "saugte viel von der Reserve auf"
"Die Frage ist: Wann fängt man an Personal auszubauen, und was kommt dann noch an Schulreformen und anderen Entwicklungen dazu? Da kann es schon passieren, dass es ein, zwei Jahre zu Überschneidungen kommt", warnt Hackl, die vor ihrer Bestellung zur PH-Rektorin im damaligen Bildungsministerium für die Lehrerbildung zuständig war, vor Schuldzuweisungen.
Das rasche Kippen von einen Über- zu einem Unterangebot an Lehrern erklärt Hackl mit zwei Entwicklungen: Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25 und Modelle wie die Neue Mittelschule hätten "sehr viel von der Reserve aufgesaugt". Andererseits seien vermehrt Lehrer mit vielen Dienstjahren, "die schon sehr ausgebrannt waren", in Pension gegangen. Auch die Debatte um das Ende der Hacklerregelung habe möglicherweise dazu geführt, dass mehr Lehrer als geplant in Pension gegangen seien.
Ohne Ausbildung ins Klassenzimmer
Während bisher nur wenige Pädagogen aus der Pension ins Klassenzimmer zurückgeholt wurden, sind anlässlich der Lehrer-Pensionierungswelle Studenten in einigen Mangelfächern wie den Naturwissenschaften oder Englisch schon jetzt im großen Stil als Lehrer im Einsatz (Die Presse berichtete). Experten machen sich angesichts dieser Situation Sorgen um die Qualität des Unterrichts.
(APA)

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