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Retuschierte Ergebnisse als Unterstützung für die Neuen Mittelschulen

24.05.2012 | 18:39 | JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Kritiker befürchten, dass Unterrichtsministerin Claudia Schmied ihr Prestigeprojekt "Neue Mittelschule" durch Zahlenspiele aufwerten möchte.

Wien. Ihr erstes großes Ziel hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) erreicht: Die Hauptschule zur Gänze durch die Neue Mittelschule (NMS) zu ersetzen. Nun geht es darum, das Prestigeprojekt auch richtig zu präsentieren. Es braucht also einen Beweis dafür, dass die Ausbildung in der Neuen Mittelschule jener in den Gymnasien um nichts nachsteht. Genau das versuche Schmied durch Manipulation der Ergebnisse der Bildungsstandards zu erreichen, so der Vorwurf, der im Umfeld der Lehrergewerkschaft erhoben wird.

Und tatsächlich werden die Leistungen der 86.000 Schüler, deren Mathematikkenntnisse am Mittwoch getestet wurden, je nach Schultyp unterschiedlich gewichtet. Sprich: Die Leistung der Neuen Mittelschulen wird schneller als gut befunden als die der Gymnasien. Die Ministerin nennt das einen „fairen Vergleich“. Dabei werden Standorte verglichen, die ähnliche strukturelle Merkmale aufweisen und von Schülern mit ähnlichem sozioökonomischen Hintergrund besucht werden. Elf Faktoren berücksichtigt, etwa Schulgröße, der Migrantenanteil und der Sozialstatus der Eltern. Und einer der Faktoren ist eben auch die Schulform.

Doch warum geht man davon aus, dass die Hauptschule, die Neue Mittelschule und die AHS unterschiedlich gewichtet werden müssen? Es gelte, die Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, heißt es auf Anfrage der „Presse“ aus dem zuständigen Bildungsforschungsinstitut BIFIE. Die Schülerströme in die einzelnen Schularten würden nicht zufällig verlaufen. Weniger begabte Schüler würden eben auch weniger oft ins Gymnasium gehen. Dass Hauptschulen und Neue Mittelschulen demnach schlechter abschneiden, sei erwartbar.

 

Schmied entscheidet über Veröffentlichung

Der „faire Vergleich“ soll diesem Umstand Rechnung tragen und den einzelnen Schulen einen für sie erwartbaren Punktebereich zuweisen. Liegen diese innerhalb des Bereiches, entsprechen sie genau den Erwartungen. Liegen sie darüber bzw. darunter, sind sie besser bzw. schlechter als von ihnen zu erwarten. Haben eine Neue Mittelschule und ein Gymnasium also die selbe Punktezahl, kann das als schlechtes Ergebnis für das Gymnasium – immerhin liegt man unter dem eigenen Erwartungswert – gelten, aber als Erfolg für die Neue Mittelschule – dort hat man die Erwartungen ja übertroffen.

Zwar ist der „faire Vergleich“ nur eine zusätzliche Erhebung, Kritiker befürchten aber, dass Schmied genau diesen Wert heranziehen wird, um das gute Abschneiden der Neuen Mittelschule zu propagieren. Und tatsächlich kann das nicht ausgeschlossen werden.

Die bisherige Diktion: Die Ergebnisse werden nur teilweise veröffentlicht. Schulranglisten soll es keine geben. Mehr noch: Die Ministerin hat sich sogar mittels Rundschreiben an die Schulen gewandt, um eine vertrauliche Behandlung der Ergebnisse zu fordern. Welche Zahlen an die Öffentlichkeit gelangen, liegt allein in den Händen der Unterrichtsministerin.

Mit ihrem Vorgehen sorgt Schmied auch beim Koalitionspartner für Ärger. ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon bezeichnet den „fairen Vergleich“ als „fragwürdig“. „Die Erhebung von Bildungsstandards ist nur dann sinnvoll, wenn sie anschließend zu Vergleichen, Auswertungen und Verbesserungsschritten führt.“

Nicht öffentlich sind derzeit auch noch einige statistische Details. So ist etwa unklar, wie die elf Merkmale des „fairen Vergleichs“ gewichtet werden. Das könne erst nach dem Feststehen der Ergebnisse berechnet werden, sagt das BIFIE. Aus statistischer Sicht sei das zwar nachvollziehbar, so Erich Neuwirth, Statistikprofessor an der Uni Wien, im Gespräch mit der „Presse“. Aber: Die technische Dokumentation – also die Angaben darüber, wie diese Berechnung erfolgt – fehle. Wissenschaftler müssten die Chance haben, die Ergebnisse reproduzieren und damit nachvollziehen zu können. Das sei so nicht möglich.

Ganz problemfrei lief der erste Test übrigens nicht an allen Schulen ab: Es gab lediglich ein Testheft, das die Schüler sowohl vor als nach der Pause zu bearbeiten hatten. Der Austausch zwischen Schülern in der Pause verfälsche das Ergebnis, so die Befürchtung. Die Entgegnung des BIFIE: Die Testleiter hätten eben darauf zu achten, dass Schüler im zweiten Teil nicht mehr zurückblättern.


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