Lehrer

Lehrer | Höhere Schulen | Artikel DruckenArtikel drucken


Sorge um Lehre: Mehr Berufsberatung in Schulen

07.06.2012 | 18:22 | KARL ETTINGER (Die Presse)

Der ÖVP-Bund unternimmt einen Vorstoß bei Ministerin Schmied für ein eigenes Fach zur Berufsorientierung, weil die Imagekampagne allein nicht reicht.

Wien. Nach der Verschiebung der Zentralmatura wird Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) mit einem neuen Problem konfrontiert. Die Wirtschaft ist am Ende ihrer Geduld und fordert im Wettlauf mit höheren Schulen neue Initiativen, damit sich in den Schulen mehr Mädchen und Burschen für eine Lehre entscheiden. Vorrangig drängt der ÖVP-Wirtschaftsbund jetzt auf einen Ausbau der Berufsorientierung, verpflichtende Potenzialanalysen in den 7. oder 8. Schulstufen und ein eigenes Unterrichtsfach „Bildungs- und Berufsberatung“. Das Wirtschaftsbund-Präsidium hat das in einem Antrag an das Wirtschaftsparlament der Kammer festgelegt und wird bei Ministerin Schmied deswegen vorstellig werden.

 

Wettbewerb um Jugendliche

„Wir müssen dem Lehrberuf auch die entsprechende Wertigkeit geben“, fasst Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner im Gespräch mit der „Presse“ zusammen. Bereits laufende Imagekampagnen für die Lehre seien „wichtig und richtig“, reichten aber nicht aus. Es müssten bereits in den Schulen neue Aktivitäten erfolgen, um die berufliche Ausbildung voranzutreiben und „alle Talente zu nutzen“. Haubner spricht von einem Wettbewerb um die Jugendlichen: „Die Schulen setzen sehr stark darauf, 15- bis 18-Jährige zu halten.“ In weiterer Folge würde es etwa eine Menge Psychologen geben, die keinen Arbeitsplatz bekämen „und umgekehrt suchen wir Mechatroniker“.

Die schwarzen Wirtschaftsvertreter fordern von Schmied, die Bildungsberatung in den Schulen auszubauen. Das könne die Ressortchefin mittels Verordnung machen. So soll die Berufsorientierung von 30 auf 60 Wochenstunden verdoppelt werden. Außerdem müsse eine Analyse der Potenziale und Talente jedes Schülers in den 7. oder 8 Schulstufen „verpflichtend“ eingeführt werden.

In allen Schulformen solle außerdem ein eigenes Unterrichtsfach zur „Bildungs- und Berufsberatung“ eingerichtet werden. Die bisher übliche Form, dies in anderen Fächern einzubauen, hat sich nach Ansicht des ÖVP-Wirtschaftsbundes nicht bewährt. Damit junge Menschen möglichst rasch mit dem Alltag in Betrieben konfrontiert werden, müsse das „Schnuppern“ in den Unternehmen ebenfalls in allen Schulformen ausgeweitet werden.

 

Lehrwerkstätten: Höhere Kosten

Der ÖVP-Wirtschaftsbund ruft die Regierung auch aus Kostengründen auf, die duale Ausbildung in Berufsschulen und im Betrieb, ein Lehrlingsmodell, um das Österreich von vielen Ländern beneidet werde, stärker als die überbetriebliche Ausbildung voranzutreiben. Die öffentlichen Mittel für Lehrwerkstätten seien mit 17.046 Euro laut Wirtschaftsbund rund dreimal so hoch wie die maximalen öffentlichen Mittel für die Lehre mit 5647 Euro. Zum Vergleich: Die Kosten für einen Schulplatz betragen 8900 Euro. Erschwerend komme noch hinzu, dass etliche Jugendliche, die eine Lehre beginnen wollen, Probleme mit Rechnen, Schreiben und Lesen hätten.

 

Umstellung bei Lehrerausbildung

Von 2008 bis 2011 ging die Zahl der Lehrlinge von 131.000 auf 128.000 zurück, was der ÖGB allerdings so interpretiert, dass viele Betriebe sich aus der Lehrlingsausbildung verabschiedet hätten, obwohl es Erleichterungen durch die Regierung gegeben habe. Haubner kontert: „Die Unternehmen drücken sich nicht. Es wird nur immer schwieriger.“

In einem zweiten Schritt peilt der ÖVP-Wirtschaftsbund an, dass es bei der Lehrerausbildung mindestens eine Woche Berufsorientierung geben müsste. Im tertiären Bildungssektor sollte eine Berufsakademie eingeführt werden.


© Lehrer