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teuer Gemeinden sind gegen

Zu teuer: Gemeinden sind gegen akademische Kindergärtnerinnen

18.11.2012 | 18:10 |   (Die Presse)

Kritik I. Die Kindergärten schauen entgegen den Versprechen der Regierung bei der Reform der Pädagogenausbildung durch die Finger: Im Elementarbereich soll ein Studium angeboten werden, verpflichtend soll es aber nicht sein.

Wien/J.n. Sowohl Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) als auch Uni-Minister Karlheinz Töchterle (ÖVP) legten stets großen Wert auf eine Feststellung: Sie arbeiten nicht an einer neuen Lehrerausbildung, sondern an einer neuen Ausbildung für alle Pädagogen. Also an einer neuen Pädagogenausbildung, die auch die Kindergärtnerinnen miteinschließt. Jetzt steht es fest: SPÖ und ÖVP können diesem ihrem Anspruch nicht gerecht werden. Denn zur echten Reform der Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen (der Männeranteil ist verschwindend gering) hat es nicht gereicht.

So sieht der Plan der Regierung zwar vor, angehenden Kindergartenpädagoginnen die Möglichkeit einer hochschulischen Ausbildung zu bieten. Eine Verpflichtung dazu wird es aber nicht geben. Immerhin will man die Existenz der Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakip), die derzeit für die Ausbildung verantwortlich sind, nicht gefährden.

Die Gemeinden freuen sich darüber. Denn als Dienstgeber der Kindergartenpädagoginnen halten sie vom Vorhaben, diese auf akademischem Niveau auszubilden, wenig bis gar nichts. „Ich brauche das Personal in dieser Form nicht“, sagt Helmut Mödlhammer (ÖVP), Präsident des Gemeindebunds im Gespräch mit der „Presse“. Die Kindergartenpädagoginnen bräuchten ein „gutes Herz“ und „ein gutes Händchen“ für die Kinder. Die wissenschaftliche Theorie sei in diesem Job weniger wichtig, so Mödlhammer. Er stellt sich damit gegen zahlreiche Experten, die die akademische Ausbildung im Bereich der Elementarpädagogik für essenziell halten.

 

Adäquate Bezahlung ist unmöglich

Eine entscheidende Rolle dürfte in diesem Zusammenhang die Bezahlung der Kindergartenpädagoginnen spielen. Stellen die Gemeinden akademisch ausgebildetes Personal an, muss dieses auch auf entsprechendem Niveau bezahlt werden. „Das ist unmöglich“, sagt Mödlhammer. Es sei jetzt schon schwierig, alle Kindergärtnerinnen zu entlohnen – und das, obwohl des Einstiegsgehalt von Kindergartenpädagoginnen derzeit mit rund 1700 Euro brutto im Monat vergleichsweise niedrig liege.

Solange sich die Gemeinden als Abnehmer der Elementarpädagogen querlegen, ist eine Ausbildung auf akademischem Niveau – zumindest finanziell gesehen – vergebene Liebesmüh. Dabei wäre die akademische Ausbildung sehr umfangreich: Nach einem vierjährigen Bachelor und einer ein- bis zweijährigen sogenannten Induktionsphase muss auch noch ein ein- bis zweijähriger Master absolviert werden. Zu Beginn des Masters können sich die Studierenden entscheiden, ob sie die Ausbildung zum Primarpädagogen machen – damit erlangen sie die Unterrichtsbefähigung für Sechs- bis Zehnjährige –, oder ob sie sich zum Elementarpädagogen ausbilden lassen. Sie können im Masterstudium auch beide Ausbildungen machen. Damit können sie Null- bis Zehnjährige betreuen und unterrichten.

 

Das Lehrpersonal fehlt

Der Plan der Regierung – die Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen auf ein akademisches Niveau zu heben – hat noch eine weitere Tücke. Für ein entsprechendes Angebot fehlt sowohl an den Universitäten als auch an den Pädagogischen Hochschulen das Lehrpersonal. Nachdem es bislang nicht ihre Aufgabe war, Pädagogen für die frühkindliche Phase auszubilden, gibt es auf diesem Gebiet österreichweit nur eine einzige Professur – und zwar an der Universität Graz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2012)

4 Kommentare
Elementarpädagogogen
19.11.2012 21:12
1 0

Lieber Herr Präsident Bürgermeister Mödlhammer,

Wir ElementarpädagogInnen wussten gar nicht, dass Sie nicht nur als Bürgermeister für Ihren Gemeindekindergarten verantwortlich sind, sondern sich offensichtlich als ausgewiesenen Fachmann für Elementarpädagogik fühlen.
Anders können wir es uns nicht erklären, dass Sie postulieren, Kindergartenpädagoginnen bräuchten ein „gutes Herz“ und „ein gutes Händchen“ für die Kinder und gleich auch feststellen, die wissenschaftliche Theorie sei in diesem Job weniger wichtig, Sie daher auch die akademische Ausbildung im Bereich der Elementarpädagogik nicht für essenziell halten.

Wir ElementarpädagogInnen werden Ihnen nicht erklären, welche Qualifikation Sie und Ihre BürgermeisterkollegInnen für ihren herausfordernden Beruf brauchen - weil wir uns dazu nicht berufen wissen.

Wir wollen aber auch nicht, dass uns erklärt wird, welche Ausbildung für KindergartenpädagogInnen die geeignetste ist und daher halten wir solche Zurufe für mehr als entbehrlich.

Mit freundlichen Grüßen,

die Gruppe "Wir ElementarpädagogInnen protestieren" - http://www.facebook.com/pages/Wir-Elementarp%C3%A4dagogInnen-protestieren/235841109875671
Elementarbildung
19.11.2012 23:13
0 0

Re: Lieber Herr Präsident Bürgermeister Mödlhammer,

Es war einmal die ganz Welt, die erkannte, wie wichtig Investitionen in den frühkindlichen Bereich sind. Die ganze Welt? Nein, da gab es einen Mann, der meinte, er wisse alles von allen Berufen am besten. Deshalb wehrte er sich laut und heftig gegen Qualitätsmaßnahmen. Also blieb das Land ein Bildungsnakabatzl...
Elementarpädagogogen
19.11.2012 21:12
1 0

Lieber Herr Präsident Bürgermeister Mödlhammer,

Wir ElementarpädagogInnen wussten gar nicht, dass Sie nicht nur als Bürgermeister für Ihren Gemeindekindergarten verantwortlich sind, sondern sich offensichtlich als ausgewiesenen Fachmann für Elementarpädagogik fühlen.
Anders können wir es uns nicht erklären, dass Sie postulieren, Kindergartenpädagoginnen bräuchten ein „gutes Herz“ und „ein gutes Händchen“ für die Kinder und gleich auch feststellen, die wissenschaftliche Theorie sei in diesem Job weniger wichtig, Sie daher auch die akademische Ausbildung im Bereich der Elementarpädagogik nicht für essenziell halten.

Wir ElementarpädagogInnen werden Ihnen nicht erklären, welche Qualifikation Sie und Ihre BürgermeisterkollegInnen für ihren herausfordernden Beruf brauchen - weil wir uns dazu nicht berufen wissen.

Wir wollen aber auch nicht, dass uns erklärt wird, welche Ausbildung für KindergartenpädagogInnen die geeignetste ist und daher halten wir solche Zurufe für mehr als entbehrlich.

Mit freundlichen Grüßen,

die Gruppe "Wir ElementarpädagogInnen protestieren" - http://www.facebook.com/pages/Wir-Elementarp%C3%A4dagogInnen-protestieren/235841109875671
Elementarbildung
19.11.2012 18:39
0 0

Er" braucht das Personal so nicht" - aber unsere Kinder!!!!

Und wieder gehen finanzielle Kleinlichkeit qualitativem Weitblick vor. SCHANDE!!!!
Wann bekommen PolitikerInnen a la Hr. Mödlhammer endlich mit, dass "„gutes Herz“ und „ein gutes Händchen“" zwar nett im familiären Kreis sind, aber in JEDER Bildungseinrichtung - zu der ja auch schon langläufig der Kindergarten gehört - viel, viel mehr dazu gehört?
Entscheidungstragende wie er blockieren, sowie verhindern, dass Österreich aus der Bildungsmisere kommt. BILDUNG FÄNGT VIEL FRÜHER AN - bei JEDEM Kind (mindestens) ab der Geburt, Krippe/Krabbelstube/Kindergarten/Kindergruppe sind die ersten institutionellen Bildungseinrichtungen und keine Aufbewahr-, Animations- bzw. Versorgungsstätten für unsere Kinder!
Tja, das Frauenbild wird mit diesen Aussagen ebenso eindeutig transportiert wie das Unverständnis zu den eindeutigen, in mehreren Disziplinen erreichten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Weltweit - AUCH IM "KLEINEN" LAND ÖSTERREICH! Wir sind das einzige Land, das offenbar nicht nachhaltig erkennt, dass wir für die ersten Jahre der Kinder die BESTEN PädagogInnen brauchen. Ein Armutszeugnis.
Hoffnung machen die weiterhin aufzeigenden und mitwirkenden AktivistInnen von Plattform EduCare, ÖDKH, ZUKUNFT.BILDUNG, etc., die es schon immer nicht leicht mit ihrem Engagement hatten...