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Lehrerausbildung Logik AusSortierens bestimmt

Lehrer: "Logik des Sortierens" bestimmt Status Quo

20.11.2012 | 11:08 |   (DiePresse.com)

Derzeit werden in Österreich an nicht weniger als 29 Institutionen Lehrer ausgebildet. Zwischen den Lehrern für höhere Schulen und denen für Pflichtschulen gibt es große Unterschiede.

Die "Logik des (Aus-)Sortierens" bestimmt nicht nur das österreichische Schulsystem insgesamt, sondern spiegelt sich auch im Status Quo der Lehrerausbildung wider. Zu diesem Schluss kommen Johannes Mayr und Peter Posch vom Institut für Unterrichts- und Schulentwicklung der Uni Klagenfurt in ihrer Analyse der Lehrerbildung in Österreich im Buch "Reform der Lehrerbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz".

Die Trennung der Schüler in "statusmäßig unterschiedliche Bildungswege" findet ihre Entsprechung in der Lehrerbildung: Die Ausbildung der Lehrkräfte für die Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schule) findet an der Pädagogischen Hochschule (PH) statt, die der Lehrkräfte für höhere Schulen an den Unis.

Derzeit werden in Österreich an nicht weniger als 29 Institutionen Lehrer ausgebildet - an neun staatlichen und fünf privaten (kirchlichen) PH sowie an 15 Unis. Die Größe variiert dabei beträchtlich: An großen Unis ist das Lehramt ein Massenstudium, an manchen PH wird mit Kleinstgruppen gearbeitet.

PH "nur" nachgeordnete Dienststellen

Organisatorisch sind die Unis rechtlich unabhängig und nur über Leistungsvereinbarungen und Globalbudgets dem Wissenschaftsministerium verantwortlich. Die PH sind dagegen "nur" nachgeordnete Dienststellen des Unterrichtsministeriums, das den Studienbetrieb "reglementiert und überwacht". "Die Zugriffsmöglichkeit der Bildungspolitik auf die PH wirkt sich auch auf die Bestellung von Professor/innen und Rektor/innen aus, die vielerorts stark von parteipolitischen Interessen beeinflusst wird", so Mayr und Posch.

Auch in fachlicher Hinsicht gelten bei der Personalauswahl unterschiedliche Spielregeln: An den Unis orientiert sie sich primär an der wissenschaftlichen Qualifikation und weniger an der Lehrkompetenz oder berufspraktischen Vorerfahrungen, an den PH ist es umgekehrt: Eine Habilitation ist nicht nötig, dafür in der Regel eine mehrjährige Berufserfahrung als Lehrkraft.

Kein Eignungstest an der Uni

Unterschiede gibt es auch bei der Studentenauswahl: Für die Uni-Lehramtsstudien gibt es - mit Ausnahme künstlerischer und sportlicher Fachrichtungen - keine Zugangsvoraussetzung außer der Matura, an den PH sind dagegen Eignungstests an der Tagesordnung. Auch das Studium selbst differiert: PH-Studenten absolvieren kontinuierlich Praktika in Form von wöchentlichen Praxistagen und mehrwöchigen Blockpraktika und werden als fertige Lehrer. Deshalb haben die PH auch eigene Praxisschulen. An der Uni gibt es zwar auch Praktika, diese sind allerdings wesentlich kürzer, da das Studium nur eine "wissenschaftliche Berufsvorbereitung" sein soll und erst im Anschluss die Praxis erfolgt.

Trotzdem dauert ein Lehramtsstudium an den Unis mit mindestens neun Semestern länger als an den PH (sechs). Uni-Absolventen schließen derzeit mit dem Magister ab, PH-Absolventen mit dem Bachelor.

Nach ihrer Ausbildung steigen die PH-Absolventen ohne spezielle Berufseinführung in den Schuldienst ein und übernehmen eine volle Lehrverpflichtung. Uni-Absolventen starten dagegen als Unterrichtspraktikanten mit deutlich reduzierter Lehrverpflichtung in den Klassen ihrer Betreuungslehrer und besuchen parallel dazu Begleitveranstaltungen an der PH. Paradox: Obwohl zum Teil mit den Zehn- bis 14-Jährigen die gleiche Altersgruppe unterrichtet wird, haben die Lehrkräfte der höheren Schulen eine niedrigere Lehrverpflichtung, ein höheres Einkommen und im Schnitt "intelligentere, motiviertere und durch weniger Verhaltensprobleme belastete Schüler/innen aus bildungsnäherem Umfeld" als ihre Kollegen an den Pflichtschulen.

(APA)