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Unis wollen Mittelschullehrer ausbilden

Unis wollen Mittelschullehrer ausbilden

22.04.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

Die Uni-Chefs fordern die "Federführung" bei der Ausbildung aller Pädagogen für die Neue Mittelschule. Nur sie hätten das benötigte Fachwissen.

Wien/Apa. Mit dem Jahr 2018/19 werden alle heimischen Hauptschulen auf Neue Mittelschulen umgestellt sein. Wer die Pädagogen für die neue Schulform, die eine Art „Mischung aus AHS- und Hauptschullehrern“ sein sollen, ausbildet, darüber ist schon jetzt ein Streit entbrannt: Die Universitäten fordern, dass die NMS-Lehrer unter ihrer „Federführung“ ausgebildet werden, wie Martin Polaschek, Leiter des Forum Lehre der Universitätenkonferenz, am Mittwoch im Gespräch mit der Austria Presse Agentur betonte.

Dabei gehe es nicht darum, den bisher für die Hauptschullehrer-Ausbildung zuständigen Päda-gogischen Hochschulen (PH) etwas wegzunehmen. Je nach Standort seien auch Kooperationen mit PH zu begrüßen, „soweit sie der Qualitätssteigerung dienen“. Allerdings müssten die Unis „hauptzuständig“ für die Entwicklung der Studienpläne sein, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, so Polaschek. Damit reklamieren die Unis die Zuständigkeit für die gesamte Sekundarstufe für sich. Derzeit sind sie nur für die Ausbildung der Lehrer an AHS und berufsbildenden höheren Schulen (BHS) zuständig, die übrigen Lehrer werden an den PH ausgebildet, bei der Fortbildung sind die PH überhaupt für alle Lehrer zuständig.

 

Uniko gegen „Doppelgleisigkeit“

Bei der geplanten gemeinsamen Ausbildung für alle Pädagogen müsse es nun jedoch eine „klare Zuordnung von Zuständigkeiten“ bei der Sekundarstufe geben, heißt es in einer Aussendung der Universitätenkonferenz, die bei ihrer jüngsten Plenarsitzung Eckpunkte für die neue Lehrerausbildung formuliert hat.

Nur die Unis seien aufgrund ihres „fundierten Fachwissens hervorragend geeignet“, die Gesamtverantwortung für die Lehrerausbildung der Sekundarstufe sowie die Weiterbildung zu übernehmen, betonen die Uni-Rektoren. Die für eine zukunftsorientierte Lehrerausbildung nötige Breite des Angebots, die Möglichkeit zur interdisziplinären Vernetzung sowie die fachwissenschaftliche Expertise finde sich nur an den Unis. „Aus diesem Grund wird eine doppelgleisige Zuständigkeit für die Lehrer/innenbildung in der Sekundarstufe 1 und 2 abgelehnt.“

Gemeinsam mit den Pädagogischen Hochschulen wolle man überlegen, wie eine Ausbildung für NMS-Lehrer aussehen soll, die ja im Vergleich zu Hauptschullehrern mehr Wissenschaft brauchen, so Polaschek. Bei den Curricula müsse die Hauptverantwortung aber bei den Unis liegen, damit dort auch weiter ein unkomplizierter Wechsel zwischen Lehramts- und Fachstudium möglich sei. Andere Lösungen müssten für jene Regionen gefunden werden, in denen es keine Unis gibt.

Auch politisch bleibt das Thema umstritten: SPÖ und ÖVP können sich bis heute nicht einigen, welche Institution welche Verantwortung übernehmen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2012)