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Lehrerdienstrecht Junglehrer kritisieren Regierungsvorschlaege

Lehrerdienstrecht: ÖH und Junglehrer kritisieren Regierungsvorschläge

15.06.2012 | 11:18 |   (DiePresse.com)

Die Reform der Pädagogenausbildung dürfe nicht aus den Verhandlungen zum neuen Diesntrecht ausgeklammert werden, sagt die ÖH. Auch die Junglehrer üben Kritik an den Regierungsvorschlägen.

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hat am Freitag die Regierung dazu aufgefordert, in den Lehrerdienstrechtsverhandlungen nicht länger die Reform der Pädagogenausbildung auszublenden. Es sei eine "Absurdität", über Gehaltsschemata und Unterrichtsverpflichtung zu verhandeln, ohne zu wissen, welche Ausbildung künftige Lehrer haben werden, so Vorsitzende Janine Wulz (Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS) bei einer Pressekonferenz. Die Vertreterin der Unterrichtspraktikanten Wiens, Regina Bösch, warnte vor einer Anhebung der Unterrichtsverpflichtung. Sollte diese kommen, sei nur noch "Dienst nach Vorschrift", aber keine Innovation mehr möglich.

In Sachen Lehrerausbildung herrsche seit Jahren Stillstand, kritisierte Wulz. Die ÖH ihrerseits hat ganz klare Vorstellungen, wie die Pädagogenbildung künftig aussehen soll: Ein durchgängiges, fünfjähriges Studium für alle Pädagogen, egal ob sie im Kindergarten oder in einer maturaführenden Schule arbeiten, mit Master- oder Diplomabschluss. Außerdem soll die Ausbildung für alle Lehrer an derselben Einrichtung erfolgen: Die ÖH will eine Zusammenlegung von Fachhochschulen, den Unis, die derzeit die Lehrer an AHS und berufsbildenden höheren ausbilden, und den Pädagogischen Hochschulen (PH) wo die Ausbildung für Lehrer an den Pflichtschulen (Volks-, Sonder-, Haupt-, Berufs- und Polytechnische Schule) angesiedelt ist.

Einjähriger Berufseinstieg mit Coaching

Im Anschluss soll es einen einjährigen Berufseinstieg für alle Jungpädagogen geben, bei dem diese von einem Mentor unterstützt werden und parallel wissenschaftlich begleitet und in Alltagsfragen beraten werden, so Tobias Dörler, ÖH-Referent für Pädagogik. Damit soll verhindert werden, dass Junglehrer anstatt neue methodische und didaktische Konzepte umzusetzen einfach den Unterricht erfahrener Lehrer übernehmen.

Unterdessen haben sich in Wien vor einem Vierteljahr Junglehrer, Unterrichtspraktikanten und Lehramtsstudenten zur "Initiative für ein faires LehrerInnendienstrecht" zusammengeschlossen, um sich gemeinsam gegen die geplante Erhöhung der Arbeitszeit zu wehren. Über Facebook und E-Mail-Verteiler haben Begründerin Elisabeth Denscher und Bösch über 300 Betroffene um sich geschart; über die ÖH sollen auch Lehramtsstudenten und Junglehrer an den Pflichtschulen erreicht werden.

Verhandlungen sind "intransparent"

"Wir hoffen, dass wir nicht mehr überhört werden, wenn wir viele sind", so Bösch. Dabei kann die Initiative sich derzeit wegen der "intransparenten" Art der Verhandlungsführung nur ein vages Bild davon machen, was genau sie bekämpft. Die Junglehrer seien überhaupt nicht eingebunden, obwohl sie die Betroffenen sind, ärgert sich Bösch.

Vor allem eine mögliche Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Stunden - das wären für AHS-Lehrer mit zwei Schularbeitsfächern sechs Stunden mehr als bisher - will Denscher bekämpfen. Denn: "Guter Unterricht braucht viel Zeit zur Vorbereitung - besonders in der Anfangszeit. Wenn der Regierungsvorschlag tatsächlich umgesetzt wird, werden engagierte Junglehrer bereits nach wenigen Jahren ausbrennen oder resignieren." Überhaupt kritisiert sie, dass beim neuen Dienstrecht anscheinend weiterhin nur Unterrichtsstunden gezählt werden sollen und andere Teile des Lehrerberufs - etwa Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Teambesprechungen und Elterngespräche - nicht berücksichtigt werden.

"Abstrus": Erhöhte Unterrichtsverpflichtung

Besonders "abstrus" findet Bösch den Plan, die Unterrichtsverpflichtung für Berufseinsteiger auf 22 Stunden zu erhöhen. Immerhin sei das einjährige Unterrichtspraktikum, das es derzeit nur an AHS und BHS gibt, schon derzeit "recht anspruchsvoll": Neben den vier bis acht Stunden Unterricht müssen Unterrichtspraktikanten hospitieren (den Unterricht anderer Lehrer beobachten, Anm.), das Begleitstudium an den PH mit Fächern wie Schulrecht absolvieren und mit dem Betreuungslehrer Konfliktsituationen oder Elterngespräche besprechen. Dass Junglehrer, wie im Konzept für die neue Lehrerausbildung angedacht, berufsbegleitend auch noch ihr Masterstudium schaffen sollen, ist für Bösch überhaupt unvorstellbar. "Da soll schließlich im ersten Jahr schon mehr unterrichtet werden, als es derzeit eine volle Lehrverpflichtung vorsieht."

(APA)