Direktor werden, das ist schwer
22.05.2011 | 18:32 | Daniel Landau (Die Presse)
Qualifikation und Engagement sollten darüber entscheiden, wer Direktor wird. Mancher langjährige Lehrer darf sich nicht einmal um das Amt bewerben.
Ein langjähriger Lehrer an einer AHS, engagiert und anerkannt an der Schule und darüber hinaus, denkt an eine Bewerbung als Direktor. Die Erfordernisse sind klar geregelt, nachlesbar auf der Homepage des Ministeriums. Für den Lehrer kam die Ernüchterung: Er stellte fest, dass er sich noch nicht einmal bewerben darf.
Als Ombudsmann fragte ich nach: Telefonisch bekomme ich die Auskunft, dass es neben dem formal geforderten und ihm fehlenden Unterrichtspraktikum (!) vor allem eine Hürde gibt: Er hat ein mit Doktorat abgeschlossenes sozialwissenschaftliches Studium, aber kein absolviertes Lehramt. Damit ist er ein sogenannter „L2“-Lehrer. Trotz seiner Lehrbefähigungen in Instrumentalmusik, Informatik und Ethik. Die Ausschreibung sieht vor, nur L1-LehrerInnen als Bewerber zuzulassen. Punkt.
Karrierechancen werden genommen
Hier gibt es Handlungsbedarf. In der AHS unterrichten drei unterschiedliche Gruppen nebeneinander L1- und L2-LehrerInnen und eine immer größer werdende Gruppe mit Sondervertrag. KollegInnen aus den letzten beiden Gruppen sind gegenüber ihren L1-KollegInnen finanziell schlechter gestellt, obwohl sie an den gleichen Schulen die gleichen SchülerInnen unterrichten. Ihnen auch die Bewerbungsmöglichkeit für Leitungsaufgaben zu verwehren heißt: ihnen a priori keinerlei Entwicklungs- und Karrierechance zu geben. Unabhängig von der Qualifikation.
Möglich ist hingegen, dass sich jemand, der vor 30 Jahren ein Lehramt absolviert und dann das Probejahr gemacht hat, sich aber seitdem nicht weitergebildet hat, bewirbt. Das alles, weil die (wahrscheinlich vor allem aus Standesdünkel hochgehaltenen) Zugangskriterien erfüllt sind. Erfüllt zwar vor 30Jahren, aber sie sind ausschlaggebend.
Wir brauchen mehr qualifizierte und engagierte SchulleiterInnen. Ein „Absehen“ von Anstellungserfordernissen ist möglich und wird bei LehrerInnen seit Jahren erfolgreich praktiziert. Wenn das „parteibuchunabhängig“ auch für DirektorInnen versucht würde, wäre das im Interesse der Schule ein Schritt vorwärts. Es käme auf einen Versuch an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2011)










